06.09. - Salty Doks: „In meinen Adern fliesst kasachischer Tee“

9.3.2016

19.00 Uhr - DAS KINO - Eintritt frei - die Filmemacher sind anwesend!

 

IN MEINEN ADERN FLIESST KASACHISCHER TEE
Regie: Hermann Peseckas & Jurij Diez
AT 2014, 87 Min.

 

 


Über einen Zeitraum von fünf Jahren portraitiert der Film die siebenköpfige russlanddeutsche Aussiedlerfamilie Diez in ihrer neuen Heimat, einer südostbayrischen Kleinstadt. 15% der ca. 18.000 Einwohnern sind Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion. Die Einheimischen betrachten die „Russen“ in erster Linie als Sozialschmarotzer, Kriminelle und Alkoholiker. In Russland waren sie die „Deutschen“, „die Faschisten“. Die Diskriminierung wiederholt sich auf groteske Art und Weise. Das Schicksal der Familie ist exemplarisch. Denn alle Russlanddeutschen haben eine ähnliche Geschichte hinter sich.

Die Doku rekonstruiert anhand des umfangreichen privaten Foto- und Videoarchivs die Odyssee der Familie, die in Kasachstan ihren Ausgang nimmt, wohin ihre Großeltern 1941 nach dem Einfall der Nazis in die UdSSR als potentielle Verräter in Viehwagons von der Wolga deportiert wurden. Erst 1956, nach dem Tod Stalins, endet ihr Dasein als Zwangarbeiter. 1985 siedelt die Familie in den Wolgograder Bezirk zurück, bis sie 2002 nach Deutschland auswandert. Gleich nach ihrer Ankunft in Deutschland landen die Diez in Hartz-IV und 1-Euro-Jobs. Sie kämpfen sich bravourös durch das soziale Unterholz und verfolgen hartnäckig ihre Pläne.

Die Eltern, Tatjana (Mitte 50) und Jakob (Ende 50), finden einen fixen Job in einem der großen Supermärkte der Stadt. Der ehemalige Lokführer Jakob als Wagenschieber, Tatjana als Reinigungskraft. In Russland leistete Vitalij (36) noch seinen Militärdienst ab, hier tauscht er die Kalaschnikow gegen die Schere: Im eigenen Friseursalon „Fire Hair“ frönt er seinem Faible zu überdimensionalen Turmfrisuren. Jurij (32) eignet sich in rekordverdächtiger Zeit die deutsche Sprache an und reüssiert als Schauspieler. Sergius (25) will nach seiner Hartz-IV-Erfahrung Kapitalist werden und arbeitet unermüdlich an seinem Master-Plan: Im Herbst 2011 eröffnet er seinen „Diez Sonderpostenmarkt“.

Marina (33) baut gemeinsam mit ihrem Mann Jewgenij und den Eltern ein kleines Häuschen. Das karottenfärbige Domizil liegt unübersehbar unterhalb des Bahndamms auf der Bahnstrecke München - Salzburg. Mit viel Humor, Verve und Fleiß kämpfen sich die Diez voran, doch dann kassieren sie einige herbe Rückschläge, wie z.B. durch das Hochwasser vom Juni 2013.

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