02.02. - Salty Doks: „Der Weltenwanderer“

1.29.2016

 

19.00 Uhr - DAS KINO - Eintritt frei! Der Regisseur Martin Hasenöhrl ist anwesend

 

DER WELTENWANDERER - EIN PORTRAIT
Regie: Martin Hasenöhrl
Ö 2010, HDV, 60 Min.

 

Sei die Veränderung, die Du in der Welt sehen willst. Getreu dem Motto seines großen Vorbildes Mahatma Gandhi hat der heute 33-jährige Bad Ischler Gregor Sieböck vor 6 Jahren einen Job bei der Weltbank abgelehnt, um zu Fuß um die Welt zu gehen. Über 15.000 Kilometer hat er seither zurückgelegt: auf dem Jakobsweg, in Patagonien, auf der alten Inkastrasse durch Südamerika, durch Kalifornien, Japan und Neuseeland, kreuz und quer durch Europa. In den drei Jahren seiner Wanderung ist er dabei weiter gegangen als viele von uns in ihrem ganzen Leben, und das im doppelten Sinn, denn man muss loslassen um weiterzukommen. Ein Portrait des Weltenwanderers Gregor Sieböck.
 

 

CREDITS:

BUCH, REGIE, KAMERA, MONTAGE: Martin Hasenöhrl
ZWEITE KAMERA, TON, TRÄGER: Heinrich Hasenöhrl
MUSIK (Sitar): Klaus Falschlunger
FÖRDERUNG: Land Salzburg

 

FESTIVALS:

Crossing Europe Festival Linz
Filmfestival Radstadt
Bergfilmfestival Salzburg

 

REGIEKOMMENTAR

Eine Begegnung im Zug

 

Wie würdest du dich selbst beschreiben, frage ich mein Gegenüber bei unserer ersten Begegnung im Zug von Salzburg nach Wien. „Verwegen, dynamisch, erfolglos“, meint Gregor Sieböck in Bezug auf einen Buchtitel von Robert Rauch, „also ein bisschen verwegen mit meinen Gedanken, meinen Ideen, den Handlungen die ich umsetze; doch immer dynamisch, anpassungsfähig an das Neue und bereit, etwas Anderes auszuprobieren; und erfolglos – im Sinne des neoliberalen Wirtschaftssystems bin ich der volle Loser weil ich Wirtschaft studiert habe in Wien, Umweltwissenschaften in den USA, einen Job bei der Weltbank gekriegt hätte aber dann gesagt habe, nein, ich gehe zu Fuß um die Welt.”

Inspiriert von den Berichten der großen Abenteurer machte Sieböck schon während seiner Jugendzeit kleinere Entdeckungsreisen durch Österreich. „Into the wild“ – Jon Krakauers wahre Geschichte über den Aussteiger Chris McCandless ließ in ihm letztendlich den Entschluss reifen, ein größeres Projekt anzugehen. Dieses Mal wollte er für längere Zeit aufbrechen, die scheinbaren Sicherheiten der Gesellschaft hinter sich lassen und den Schritt ins Ungewisse wagen; ein Schritt aus dem letztendlich über 15.000 Kilometer wurden; ein Weg, der ihn Meter für Meter vom Wirtschaftswissenschaftler zum Weltenwanderer werden ließ.

 

Heute ist Sieböck ein Pilger, ein moderner Prediger, ein Vagabund, aber auch Manager seiner eigenen globalen Umweltkampagne – eine Art erfolgreicher Aussteiger mit Programm: „Ich will zuhören, den Stimmen der Erde und den Menschen unterwegs, ich will die Weisen unserer Zeit aufsuchen und in Gesprächen befragen, wie ein nachhaltiger und verantwortungsvoller Lebensstil auf der Welt ausschauen kann. Ich werde lernen – sowohl von altem als auch von neuem Wissen. Die Erkenntnisse aus diesen Begegnungen möchte ich teilen. Ich werde mit Printmedien, Radio und Fernsehen auf der ganzen Welt zusammenarbeiten, um sie mit meinen Fragen anzuregen, damit die Antworten bei jedem Menschen in Herz und Kopf reifen.“ Ein einfaches Leben führen, reduzieren, sich Zeit nehmen, das sind Sieböcks Themen; auch in seinen Vorträgen: „Wir sind nur Gast auf dieser Erde. Wir können von da eh nichts mitnehmen. Wir werden mit leeren Händen geboren und sterben mit leeren Händen. Also bringt das ganze Anhäufen gar nichts. Und das Spannende an einem Pilger ist, er hat einen Wanderstock, einen kleinen Rucksack idealerweise, denn je größer der ist, desto schwerer hat er zu tragen, und er zieht durch die Welt und ist offen für Neues.“

 

Als wir nach dem fast zweistündigen Gespräch in Wien einfahren und ich noch einige Fotos mache, beginnen Gregors Gedanken schon in meinem Kopf zu wirken und noch während er die Ausrüstung für seinen Diavortrag auf den Bahnsteig schleppt, wird mir klar, was das Besondere an ihm ist: er strahlt die Überzeugung aus, dass eine andere Welt möglich ist. Es liegt in unseren Händen, wir können etwas tun; ein gutes Gefühl in einer Zeit, in der viele von uns ihr Leben zunehmend als fremdbestimmt und schicksalhaft wahrnehmen. „Lebe ich, oder werde ich gelebt?“, diese Frage solle ich mir jeden Tag stellen, meint Gregor noch bevor er mit Sack und Pack verschwindet und ich am Bahnsteig zurückbleibe. Mit diesem Film möchte ich die Frage erneut stellen.

 

Martin Hasenöhrl

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